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Da ich der Sache nicht traute, fuhr ich über Sebnitz nach Ottendorf. Schon in Sebnitz waren einige Leute damit beschäftigt, Keller auszupumpen. Und in Hertigswalde lief das Wasser aus einigen Gullis breit über die Straße. Ottendorf sah relativ ruhig aus, nur in einem Haus leitete ein dünner Schlauch Wasser aus einem Keller in den Straßengraben.
Erwartungsgemäß war die Straße ins Kirnitzschtal runter an der Ottendorfer Hütte gesperrt, also ließ ich das Auto in Ottendorf stehen und wanderte über den Vogelsberg runter zur Neumannmühle. Der Parkplatz am Eingang zum Zschand war fast komplett überflutet und sah schlimm aus. Die Neumannmühle scheint mit einem blauen Auge davongekommen zu sein (hoffe ich habe mit der Einschätzung recht), einige Leute waren dabei, den Keller auszuräumen.
Ich bin dann weiter zur Buschmühle. Da sah es katastrophal aus. Die Brücke, über welche die Zufahrt zum Grundstück erfolgte, war weggerissen worden. Teile des vorderen Holzgebäudes auch. Die Straße war auf lange Strecke unterspült, die Fahrbahn hing teilweise in der Luft.
Bin dann zurück zur Felsenmühle. Unmittelbar vor dieser gähnte ein riesiger Krater in der Straße, die Fahrbahn war komplett weg. Von der Felsenmühle bin ich dann zu den Quenenwiesen hoch. Neben dem Weg rauschte ein Wildbach, in den Asphaltbelag des Forstweges waren tiefe Rinnen regelrecht ausgefräst. Den Wasserfall an den Quenenwiesen hatte ich auch noch nie gesehen... Oben auf dem Kuhstall war alles geschlossen, nur zwei Kletterer saßen auf den Bänken. Als ein Auto von den Betreibern ankam, fragte ich, ob wir mit etwas zu trinken ins Geschäft kommen könnten. Was missmutig abgelehnt wurde. Als ich dann wieder unten im Kirnitzschtal war und die Brücke zur Wirtschaftsstraße der Kuhstallgaststätte sah, hatte ich für die schlechte Laune volles Verständnis....
Dann runter vom Kuhstall Richtung Lichtenhainer Wasserfall. Kurz vor der Brücke über die Kirnitzsch war wieder Schluss – der Weg war weg, der Hang mit Brombeersträuchern voll, die mit Schlamm durchsetzt waren. Also wieder den Weg zurück und den Wanderweg zum Beuthenfall gewählt. Hier sah es auch schlimm aus. Schon oben vom Weg war zu sehen, dass die Schienen der Kirnitzschtalbahn auf hunderte Meter unterspült waren. Der Beuthenfall, sonst ein jämmerliches Rinnsal, tobte wie ein Wildbach und hatte sich seinen Weg über die Straße gesucht. Unweit davon war ein Baum auf die Fahrleitung der Kirnitzschtalbahn gestürzt.
Weitere Masten waren Kirnitzsch aufwärts durch Unterspülung der Straße ins Wanken gekommen. Das alte Gebäude der Haidemühle war eingestürzt. Na ja, wenigstens das ist nicht so tragisch, weil es sowieso weggerissen werden sollte. Am Lichtenhainer Wasserfall war Rainer König, der Inhaber, mit einigen Helfern dabei, Schlamm aus der Gaststube zu schaufeln. Samstag Abend hätte die Kirnitzsch ca. 1m hoch darin gestanden, erzählte er mir. Die kleine Brücke über die Kirnitzsch hatte es weggerissen. Dummerweise führt über diese Brücke die Leitung zum Erdgastank. „Das war’s dann wohl für diese Saison“, meinte Rainer König sarkastisch.
Ich bin dann wieder Kirnitzsch aufwärts etwas in Richtung Lichtenhainer Mühle gelaufen, bis mich ein PKW bis zur Felsenmühle mitnahm und ich wieder hoch zu meinem Auto nach Ottendorf wanderte. Jetzt kann man im Interesse der Wirte im Kirnitzschtal nur hoffen, dass Seitens der Behörden ein vernünftiges Regime und eine vernünftige Informationspolitik bezüglich des Zugangs zum Kirnitzschtal durchgeführt wird. Beim Hochwasser 2002 kam es zu so absurden Erscheinungen, dass Orte wie Hinterhermsdorf oder selbst Reinhardtsdorf große Einbußen durch Besucherrückgang hatten, obwohl dort die Hochwassereinwirkung nur gering war. Es nützt niemanden etwas, wenn zwar die Hochwasserschäden eher gering sind, aber keine Kunden in das wirtschaftlich vom Tourismus stark abhängige Gebiet kommen.
Sehr bedauerlich ist auch, dass schon lange vor eventuellen Fehlern in der Hochwasserprävention an der Kirnitzsch gewarnt wurde (siehe dazu diesen Artikel http://www.ssi-heft.de/22/31.php), aber keine Handlungen seitens der Behörden erfolgten. Natürlich ist ein Hochwasser eine mächtige Naturerscheinung, aber die Brücken über die Kirnitzsch würden bei entsprechender Vorsorge vielleicht noch stehen.
PS.: Am Wochenende ist ein Arbeitseinsatz an der Buschmühle für Helfer geplant. Einzelheiten dazu und die Daten eines Spendenkontos findet ihr hier:
http://www.bergsichten.de/buschmuehle
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