Länge 15,6 Kilometer in voller Ausprärung (Der Verzicht auf den Winterberg erspart Ihnen gut 2,5 Kilo- und 100 Höhenmeter sowie eine unbekannte Summe Bargeld, die Sie womöglich im Restaurant veräußert hätten. Weitere 2,5 Kilometer Erleichterung gibt es für das Auslassen der Kleinen Bastei – einen echten Höhenbonus bringt das nicht.)
Dauer 5–6 Stunden (3 Stunden für die Magerkostversion)
Anspruch Extrem, 760 Höhenmeter, zum Höhenprofil
Sehenswertes Nationalpark-Informationsstelle auf dem Winterberg, Schmilka
Aussichten Breite-Kluft, mehrere auf dem Terrassenweg, Aussichten über der Rübezahlstiege, Lehnsteig
Einkehr Berghotel Winterberg
Anfahrt S-Bahn, Pkw

Darf die Gangart etwas härter sein? In Anbetracht der geringen Streckenlänge mag die Frage irritieren, ein Blick auf das Streckenprofil jedoch lässt harte Passagen erahnen. Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unabdingbar, um die teils schmalen und extrem ausgesetzten Pfade auf der oberen Terrasse der Sandsteinriffe sicher zu begehen. Die Rübezahlstiege stellt nicht minder hohe Anforderungen. Für die Strapazen entlohnen dann Aussichten, die nicht jeder zu Gesicht bekommt …

Start und Ziel liegen direkt an der Fähre, die wiederum unmittelbar am Bahnhof Schmilka-Hirschmühle an- und ablegt. Daher ist die Anreise mit der S-Bahn zu empfehlen (der Fährpreis ist im Fahrschein inbegriffen). Zum Abstellen des Pkw existieren einige wenige kostenfreie Möglichkeiten unmittelbar vor der einstigen Grenzkontrollanlage, bei zu entrichtendem Obolus sind große Kapazitäten direkt im Ort (die Beschreibung der Wanderung beginnt dort) oder etwa einen Kilometer westlich am Holzlagerplatzweg, über welchen die Strecke am Zugang zur Breiten Kluft erreicht werden kann, verfügbar.

Zwischen Uferböschung und Parkplatz folgen Sie dem Fuß- und Radweg in westliche Richtung, bis die Häuserreihe endet und der Weg sich der Straße nähert. Nur wenige Schritte weiter, zwischen den Häusern mit den Nummern 4 und 5, führt eine Treppe hinauf zum Holzlagerplatzweg, einem befestigten Forstweg, der eine Umgehung des Orts in Richtung Winterberg bildet. Nach links schwenkend erreichen Sie nach gut 500 Metern den Abzweig zur Breiten Kluft, der, mit steilen Serpentinen beginnend, in die Talerweiterung der sogenannten Breiten Kluft leitet und dort zunächst deutlich abflacht. Erst oberhalb des Elbleitenwegs, den Sie kreuzen, wechselt der Charakter des Anstiegs zunehmend in Richtung Stiege.

Nun liegt der zehrende Anstieg hinter und eine schwere Entscheidung vor Ihnen: Darf es noch ein kurzer Abstecher zur beliebten Breite-Kluft-Aussicht sein? Dann nach links. Sonst sofort nach rechts (der schmale Weg ist als Bergpfad ausgewiesen). Die Plattform über der Rauschenspitze bietet einen anderen, aber keineswegs minder lohnenden Blick über die Kluft.

Ein Gedanke am Rande: Als aufmerksamer Leser, der interessiert durch unsere Bilder klickt, wird Ihnen kaum entgangen sein, dass diese Aufnahmen unmöglich zur gleichen Zeit entstanden sein können. Das ist das Los des engagierten Knipsers: Das Licht ist ihm nur selten hold und so müht er sich wiederholt zu den Motivstandorten, um mit viel Glück doch den optimalen Augenblick abzufassen. Und da die Jahreszeiten gar gänzlich unterschiedliche Ergebnisse ermöglichen, ist der Traum eines jeden Fotografen, ein Motiv in allen Facetten wie Nebel oder das Feuerwerk des Herbstleuchtens, natürlich auch im Winterkleid usw. im Archiv zu haben. Und als länger aktiver Motivsucher ist man nun gefordert, zur einst als Dia vorliegenden Beute auch noch das digitale Pendant zu ergattern. Eine Fotosammlung aus etlichen Jahren illustriert nun eine Wanderung …

Noch bevor sich der Pfad oberhalb des Rauschengrundes nach Westen richtet, existieren im Verborgenen zwei schmale Simse mit freiem Blickfeld auf die Gruppe der Rauschentürme. Der Zugang gestaltet sich zwar einfach, die Exponiertheit der Stellen hoch oben über dem Abgrund ist aber sicher nicht jedermanns Sache. Auch der Bergpfad wartet in der Folge immer wieder mit Passagen auf, die auf nicht höhentaugliche Personen fordernd wirken könnten. Begreifen Sie das als einen ersten Test – die Crux folgt erst noch.

Jenseits des Rauschengrundes, an der Spitze des nächstes Riffs, zeugt eine aus einem Stein modellierte Bank von Zeiten, da der Obere Terrassenweg für den Fremdenverkehr gangbar gestaltet war. Das nahe Plateau eröffnet einen faszinierendes Blick zum Rauschenstein. Sie befinden sich nun über dem Falkoniergrund und erreichen kurz vor dem Zusammentreffen mit der Rotkehlchenstiege eine Stelle, an der Sie in sich gehen und realistisch einschätzen sollten, ob es im weiteren Verlauf noch ausgesetzter werden darf. Der Pfad ist hier schmal und rückt dem Abgrund bedenklich nahe, sollte aber auch mit zartbesaitetem Nervenkostüm noch gangbar sein.

Die Rotkehlchenstiege bietet einen Ausweg, indem Sie dieser nach links und dem bald erreichten Zurückesteig (blauer Strich) wieder nach rechts folgen, der zum oberen Ende der Heiligen Stiege (gelber Strich) führt. Aber bevor Sie dieser ins Tal folgen, sollten Sie bedenken, dass der Wiederaufstieg über die Rübezahlstiege den Rahmen einer normalen Wanderung sprengt – möglicherweise wäre der direkte Weg (Zurückesteig/Reitsteig) zum Großen Winterberg die bessere Wahl.

Weiter dem Bergpfad folgend erreichen Sie nach einem kleinen Sattel den Heringsgrund. Vor Ihnen baut sich das Haupt des Muschelkopfes auf, im Tal sticht die Heringsgrundnadel hervor. Zwischen Muschelkopf und Massiv geht es hindurch. Hinter der kommenden Biegung lauert die äußerst ausgesetzte Traverse zur Bussardwand. Alte Eisenklammern vermitteln Sicherheit, dennoch trifft diese Passage nicht jedermanns Geschmack …

Aus dem kleinen Kessel, der das Ende der kritischen Strecke markiert, leitet der schmale Pfad auf eine kleine Anhöhe hinaus. Vom höchsten Punkt sind es nur wenige Schritte bis zur Heiligen Stiege, deren lange Leitern Sie abwärts begehen. Im unteren Bereich folgen Stufen, die in einen sandigen Grund führen. Linkerhand führt der erste Abzweig, als Zustieg zum Kletterfelsen gekennzeichnet, in Richtung Fluchtwand. Würden Sie hier abbiegen, lägen Sie falsch! Der Zugang zur Rübezahlstiege befindet sich ca. 70 Meter weiter, auch dieser ist als Kletterzustieg markiert.

Zuletzt steil ansteigend erreichen Sie den riesigen Felsüberhang der sogenannten Boofe am Schwarzen Horn. Diesen nach rechts umgehend gelangen Sie zwangsläufig an den Beginn der Rübezahlstiege. Ihre Benennung nach dem schlesischen Berggeist hat sie Hugo Friedrich zu verdanken, der Anfang der 20er Jahre maßgeblich für den Ausbau der Stiege verantwortlich war und dessen Spitzname so lautete.

Durch (zum Glück) ausbleibende Sanierungen konnte die Stiege ihren anspruchsvollen Charakter erhalten – neben Höhentauglichkeit sollte der Kandidat über etwas Gewandtheit verfügen, um die Hürden zu meistern. Eine 2012 vorgenommene behutsame Sanierung rechtfertigt nun wieder Vertrauen in die Eisenklammern, die die vom Rost zerfressenen Originale ersetzten. Ob Sie der Stiege gewachsen sind, entscheidet sich unmittelbar am Einstieg: Bis zur ersten Klammer in gut drei Meter Höhe wird dezentes Klettervermögen abgefragt. Der „Rest“ ist einfacher und die fragliche Stelle in der Höhlung, die im oberen Drittel passiert wird, erhellt sich, wenn sich Ihre Augen erst an die Dunkelheit gewöhnt haben. Probleme könnte hier nur überbordende Leibesfülle bereiten …

Auf dem Plateau stoßen Sie bald auf den Reitsteig und bereits gut 50 Meter weiter östlich auf den Abzweig zum Lehnsteig – hier wäre eine deutliche Verkürzung der Wanderung möglich. Mehr Abwechslung bietet jedoch die Variante durch die Steinlöcher. Dazu bleiben Sie auf dem Reitsteig bis zur nächstmöglichen Ausfahrt nach rechts: dem Wurzelweg.

Hier geht es runter.

Oder nagt der Hunger? Dann sparen Sie sich vorerst den Abstieg und wandern zum Großen Winterberg, dessen Gastwirtschaft zumindest außerhalb der Wintermonate zuverlässig geöffnet hat. An den meisten Zugangswegen weisen Schilder auf die aktuellen Öffnungszeiten hin. Achten Sie auf diese, um nicht umsonst den Berg zu ersteigen.

Anstatt über dieselbe Strecke zum Wurzelweg zurückzukehren, kann der Ausschilderung nach Schmilka (Bergsteig) gefolgt und die Weiberfährte begangen werden. Sie treffen am Roß- auf den Reitsteig, bei zu vernachlässigendem Umweg.

Sobald der zunächst steil abfallende Wurzelweg abflacht, steht rechts der Klettergipfel Kulissenwächter direkt am Wegesrand. Verpassen Sie ca. 50 Meter weiter den schmalen Pfad nicht, der, als Kletterzustieg ausgewiesen, rechts abgeht und den Hang auf nahezu gleichbleibender Höhe querend um den Schadeturm herumführt. Am Wurzelkopf, der markanten Zacke zu Füßen des Schadeturms, öffnet sich ein erstklassischer Ausblick auf Gratturm und Lehnsteigtürme.

Den Pfadspuren bleiben Sie weiterhin treu, bis diese in eine Senke am Fuß der Verborgenen Türme führen und stark nach links abdriften. Aus einer Spur werden mehrere, die markanteste führt aufwärts in die Scharte zwischen den Fünf Gipfeln. Durch diese, nun dezent rechtshaltend, führt der Weg den Hang hinauf. Oberhalb des Steinlochwächters bietet ein schmaler Durchlass Zugang zum Lehnsteig.

Die Steiganlage führt Sie hinab zum Wurzelweg, auf dem Sie nach rechts bis zum Abzweig Zwieselhütte bleiben.

Das Ende der Wanderung könnten Sie vorfristig einleiten, indem Sie nun nach Schmilka hinabeilen. Oder aber Sie motivieren sich für den Besuch der Kleinen Bastei, einer Aussicht im Elbhang mit imposantem Blick nach Bad Schandau und zum Lilienstein. In der Kürze liegt die Würze, daher kürzen Sie den weiten Bogen des Elbleitenweges ein, indem Sie 100 Meter in Richtung Schmilka wandern und rechts den Anstieg durch den Wald wählen. Auf dem Elbleitenweg geht es nun gut 300 Meter nach links, bis noch vor dem Rauschenstein die Ausschilderung nach links weist. Die grüne Markierung verläuft durch die Kahntilke, die Kleine Bastei befindet sich nahe dem oberen Einstieg in den Grund.

Am Holzlagerplatzweg, der Forststraße oberhalb von Schmilka, können Sie Ihre Schritte entweder kurz nach rechts lenken, womit Sie auf den vom Beginn der Wanderung bekannten Aufstieg treffen, oder aber nach links, der zwar deutlich weiteren Strecke, die jedoch durch die kleinen Kern des Grenzorts führt und Möglichkeiten für eine abschließende Einkehr bietet.

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