auf dem Weg zum Mückentürmchen 2017-01-06Januar 2018: Es geht nichts mehr. Schneereste existieren leider nur noch in geschützten Kammlagen.
 
Länge ca. 57 Kilometer
Dauer 5–10 Stunden, stark abhängig von Bedingungen, Kondition und Ortskenntnis
Anspruch Extrem, 630 Höhenmeter im Aufstieg, 1150 Höhenmeter im Abstieg, zum Höhenprofil
Sehenswertes Die Landschaft selbst. Für Besichtigungen am Rande bleibt wohl kaum Zeit.
Aussichten Mückentürmchen
Einkehr Mückentürmchen (2), Adolfov (2), Tisá (3), Sněžník (2), Maxičky, Waldschänke in Schöna
Anfahrt S-Bahn, Bus, Rückfahrt mit S-Bahn

Die Hohe Tour ist so etwas wie der Klassiker unter den Skitouren im Osterzgebirge und unter Kennern der Sächsischen Schweiz gibt es wohl niemanden, der davon noch nie gehört hat, und etliche, die sie mindestens einmal absolviert haben.
Nun bedarf es „nur“ noch ausreichend Schnees, um im kommenden Winter unserem Tipp zu folgen …

Bei der sogenannten Hohen Tour gibt es zahlreiche Varianten, wobei vor allem seit der Grenzöffnung fast ausschließlich eine rein böhmische Streckenführung genutzt wird. Gegen die auf deutscher Seite verlaufende Strecke spricht, dass Loipen praktisch nirgends, Einkehrmöglichkeiten kaum und zu querende Taleinschnitte reichlich vorhanden sind. In der folgenden Beschreibung gehe ich auf die meiner Erfahrung nach schnellste Variante ein und verweise nur kurz auf Alternativen.

Da Start und Ziel an weit entfernten Orten liegen, ist die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel fast schon obligatorisch. Während die Abreise ab Schöna (oder Dolní Žleb) nur mit der Bahn erfolgen kann, nutzen Frühstarter als Zubringer zum Start gern den Bus von Dresden nach Zinnwald, wodurch sich die Gesamtstrecke um knapp fünf Kilometer verkürzt. Meiner Meinung nach bequemer ist die Anreise per (Wintersport-)Zug nach Altenberg. 150 Meter südlich vom Bahnhof befindet sich der Einstieg in die Loipen.

In Richtung Kahleberg steigt das Gelände dezent an, zunächst über freies Feld, später – kurzer heftiger Anstieg zu Beginn – durch bewaldetes Gelände. Orientieren Sie sich am „Alten Zaunhäuser Weg“ (der zweite Weg linker Hand an einer 5-fach-Kreuzung) bis zur Schneise 30 (Abkürzung über den nicht geloipten Moorweg – erster Weg linker Hand – möglich). Diese führt immer geradeaus vorbei am Hotel Lugsteinhof bis zur Grenze hinter der Wetterstation. Hier könnte die Wegfindung erstmals problematisch werden, da nur sporadisch maschinell gespurt wird und häufig Nebel die Orientierung erschwert. Strikt geradeaus fahrend steuern Sie auf einen etwa 100 Meter rechts eines Funkmastes liegenden Durchschlupf durch einen Baumgürtel zu, um unmittelbar dahinter dezent (!) nach links zu schwenken. 250 Meter weiter sollten Sie eine kleine Straße erreichen, die abfallend zu einer Skibrücke leitet (Manchmal wird dieser Bereich maschinell gespurt, die Loipe schlägt dabei im Vergleich zur kürzesten Verbindung einen leichten Linksbogen. Der Umweg ist so gering, dass der Loipe dem Direktweg den Vorzug gegeben werden sollte). Die dahinter beginnende, meist mit Ski befahrbare Straße führt direkt zur Skimagistrale. Die Chancen, hier auf eine Loipe zu treffen, stehen nicht schlecht. Bis zum Mückentürmchen folgen Sie nun der roten Markierung (bei maschinelle Präparierung führt die Loipe hier nach rechts; durch eine sehr steile Abfahrt ist diese Strecke jedoch nicht zu empfehlen), nur eine einzige steilere Abfahrt über freies Feld erfordert etwas Konzentration. Den Anstieg zur Komáří vížka (Mückentürmchen) hinauf empfiehlt sich das Tragen der Bretter. Wer auf frühzeitige Einkehr gesetzt hat, wird ab 10:00 Uhr im Hotel Komáří hůrka fündig.

Die folgenden Kilometer sind extrem windanfällig und daher oft verweht. Der Wegverlauf ist aber durch Stangen markiert. Die Abfahrt vom Mückentürmchen kann extrem schnell sein (55 km/h erreichte ich dort schon), also Vorsicht! Bis Habartice (Ebersdorf), durch die Ruine eines Wohnhauses weithin sichtbar, steigt das Gelände sanft an, es folgt welliges Terrain bis nach Adolfov (Adolfsgrün). Eine Kneipe (Chata Florian) – wenn, dann nur an Wochenenden geöffnet – befindet sich rechter Hand (ca. 100 Meter). Sie steuern aber direkt durch den Ort bis hinter den nach mehrjähriger Schließung neu eröffneten Adolfovský Dvůr. Hier befindet sich das Startgelände der Ortsloipen.
 
Achtung! Die nächsten Einkehrmöglichkeiten gibt es erst in Tisá, d. h. nach weiteren 15 Kilometern.

Und hier hat der Kandidat die Qual der Wahl:

  1. Entweder der am Waldrand verlaufenden Loipe (oft vorhanden) in Richtung Osten bis zum Ende folgen. Nun am Waldrand weiter (Ecken abkürzen), die Straße von Krásný Les (Schönwald) nach Telnice (Tellnitz) kreuzend, bis zu einer weiteren Straße nahe der Hüttensiedlung Nakléřov (Nollendorf). Vorsicht bei geringer Schneeauflage vor den Weidezäunen und der kleinen Bachquerung!
  2. Empfohlene Strecke: Wie (1.), aber nicht über das Feld abkürzen, sondern der Loipe bis in den Waldwinkel folgen. Strikt geradeaus lässt sich der Waldzipfel abkürzen, Sie stoßen an einem Hochstand erneut auf die Loipe, die dem Waldrand folgt. Etwa 100 Meter rechts ist die rote Markierung leicht zu übersehen. Es folgt eine anfangs steile Abfahrt (die erste Linkskurve ist kritisch), an Abzweigen halten Sie sich stets geradeaus (was in der Regel identisch mit der markantesten Spur ist). Sie queren eine Straße, der Weg führt nun nach oben. Am Ende des Anstiegs (Einzäunung) geht es stark links weg. Bei fehlender Spur ist nun Orientierungssinn gefragt: Immer der deutlichsten Schneise durch die Schonungen folgen! Sobald Sie auf eine Straße treffen, folgen Sie dieser nach links bis zum Waldrand (Zusammentreffen mit der Waldrand-Variante (1.))
  3. Bei starkem Wind bietet sich die südliche, im Wald verlaufende Strecke an. Hierzu fahren Sie vom Startgarten direkt nach Süden in den Wald (Wochenendhütten) und behalten die Richtung an der ersten Loipenkreuzung bei. Wenig später dreht die Loipe nach links. Wer nun auf eine kurze rasante Abfahrt in einer nicht einzusehenden seichten Links-Rechtskurve trifft (Auslauf ist vorhanden!), ist auf dem rechten Weg. Nun immer am Hang entlang (rote Wanderwegmarkierung), bis der Weg mit einem moderaten Anstieg nach links leitet. Nach 150 Metern geht es rechts weiter und vor der ersten Abfahrt treffen sei auf Variante (2.) – allerdings nach deren heikler Abfahrt.
  4. Erstmals in diesem Winter (2017) wird eine Loipe über Krásný Les nach Petrovice (Peterswald) maschinell gepflegt, ab Petrovice besteht Anschluss an das (schon früher gespurte) Loipennetz von Tisá (Tyssa). Bislang konnte ich die Variante noch nicht testen. Sie ist länger als die normale Führe (exakt fünf Kilometer plus 200 zusätzliche Anstiegsmeter), stellt aber ggf. eine nette Abwechslung dar. Auf www.skimapa.cz ist der aktuelle Zustand der Loipe (und anderer mehr) ersichtlich.

Im Strecken- und Höhenprofil ist Variante 1 genutzt worden.

Der Weiterweg windet sich durchs Gehölz (Funkmast linker Hand), es folgt eine Abfahrt über freies Feld, dann rechts im Wald eine weitere Abfahrt zu einem Weiher, den Sie über die Staumauer passieren (oder direkt drüber, wenn Sie sich der Tragfähigkeit des Eises sicher sind). Der folgende Anstieg zielt in Richtung Waldecke, dann nahe des rechten Waldrands bleibend bis zum Ende der freien Fläche. Die folgende Waldschneise verlassen Sie etwa 400 Meter später nach links (eine neue rote Markierung befindet rechts vor dem Abzweig). Nach weiteren 150 Metern folgt eine Abfahrt durch einen Hohlweg (gefährlich!).

Die Straße (248, bis Eröffnung der Autobahn E55) überqueren Sie, laufen erst zwischen, dann (rechts) an mehreren noblen Anwesen vorbei und in den Wald hinein (Schranke). Nach 300 Metern halten Sie sich unmittelbar nach Ausfahrt aus dem Wald stark nach links. Der Wanderweg (rote Markierung) führt hier geradeaus weiter. Auch dieser führt nach Tisá, birgt aber einen enormen Anstieg in sich.

Nach Passage der Senke erkennen Sie von einer seichten Anhöhe aus eine Einzäunung, an der Sie rechts vorbei laufen. Dahinter nach links (Bachquerung) und nach ungefähr 100 Metern durch dichteren Wald geht es 90° nach rechts auf eine lange Schneise, die tendenziell bergab verlaufend ohne größere Richtungsänderungen, nur zum Abschluss geht es einmalig scharf nach rechts, aus dem Waldgebiet herausführt. Sie passieren eine kleine Straße und steuern über freies Feld in Richtung einer markanten Baumgruppe. Sobald Sie die dahinter liegende Anhöhe erreichen, halten Sie auf ein Holzhaus zu. Bei entsprechenden Bedingungen kann die dort beginnende Straße hinab in den Ort (Tisá) befahren werden (sonst so weit wie möglich im Rechtsbogen über das Feld). Der Straße folgen Sie bis zum Ende, laufen die Hauptstraße kurz hinauf und nach rechts bis zur Turistická chata (Touristenbaude), gut einen Kilometer Fußmarsch). Selten existiert unterhalb der Felswände eine Spur (Einstieg oberhalb der Kirche), aber mit Laufen sind Sie vermutlich schneller.

An der Turistická chata verlassen Sie die Straße und nach wenigen Metern dürfen Sie die Ski wieder anschnallen. Nach 150 Metern (Radwegenummer 3017) geht es nach rechts, einen Kilometer später kreuzen Sie die Straße und folgen bis zum Ort Sněžník (Schneeberg) dem Radweg. Um die weitere Richtung zu finden, ziehen Sie beim Verlassen des Waldes gedanklich eine Linie zur linken Felskante des Tafelberges und nutzen die Spur, die am ehesten in die Richtung führt (oder Sie spuren selbst). Die Auffahrt zum Sněžník ist das nächste Ziel. Dieser folgen Sie (vom Waldrand gemessen) 200 Meter aufwärts, bis sich die Straße nach rechts windet. Links (großes Holzschild) beginnt die Umfahrung des Tafelbergs. Da dies kein richtiger Weg ist, kann die Orientierung bei fehlender Spur sehr schwierig sein. Nach einer kurzen schnelleren Abfahrt (es ist die insgesamt vierte Abfahrt auf der Umfahrung und die einzige, die nicht ungebremst gefahren werden sollte) geht es rechts in den Wald. Immer der „lichtesten“ Schneise folgend stoßen Sie irgendwann auf den vom Sněžník kommenden Wanderweg und 200 Meter weiter links auf eine Futterkrippe. Hier nach links abbiegen. Sobald der Weg in einen steilen Hohlweg übergeht, empfiehlt sich das Abschnallen und Tragen der Skier – es sind nur 150 Meter bis zur Straße.

Über die Straße hinweg geht es anfangs steil bergan. Auf den folgenden Kilometern (grüne Markierung) ist ein Verfahren kaum möglich. Vor Maxičky (Maxdorf) sind auf einer Lichtung drei Sandsteinblöcke übereinandergestapelt. Hier geht es halblinks in einer breiten Schneise weiter. Diese etwa einen Kilometer lange „Ortsumfahrung“ ist nicht markiert. Nördlich von Maxičky treffen Sie auf eine Forststraße und folgen dieser nach links. Bis zum Abzweig nach Dolní Žleb (Niedergrund [an der Elbe]) sind es noch ungefähr zwei Kilometer. Der Abzweig kommt nach einer langen Abfahrt und ist nicht zu verfehlen. Wer Dolní Žleb als Ziel auserkoren hat, biegt hier nach rechts ab. Einen Kilometer später geht es wieder nach rechts. Nur unerschrockene Recken lassen die Skier weiter an den Füßen. Es muss schon sehr viel Schnee liegen, damit das Befahren des immer steiler werdenden Weges gefahrlos möglich ist!

Ist Schöna das Ziel, haben Sie einen letzten kurzen Anstieg vor sich. 250 Meter danach verlassen Sie die nach rechts weisende Forststraße geradeaus und passieren nach weiteren 250 Metern am Böhmischen Tor die Grenze.

Etwa 300 Meter nach dem Grenzübertritt treffen Sie auf eine Forststraße, der Sie nach rechts bis zu einer Schutzhütte (Kalkbude) folgen. Kurz zuvor führt rechts ein Weg (Marktweg) nach Schöna.

Diese Wegführung ab dem Böhmischen Tor ist die kürzeste Verbindung – aber leider ist sie häufig durch Forstarbeiten zerstört. Der Sachsenforst verspricht eine andere Variante bei Winterbedingungen für Skifahrer unberührt zu lassen: Biegen Sie dazu unmittelbar nach dem Böhmischen Tor rechts in den Kriegsweg ein. Nach langer, aber harmloser Abfahrt folgt welliges Terrain. Sie passieren einen der Kornmarktsteine, die Ziskaquelle (hier nennt sich der Weg „Gelobtweg“) und eine letzte Senke am Schwarzpfützenbach, bevor Sie wieder auf die „Normalvariante“ treffen. Der Umweg beträgt 700 Meter.

Sobald Sie die Lichter vom „Reuterhof“ sehen (die meisten Skiläufer werden hier erst nach Einbruch der Dunkelheit eintreffen), können Sie entweder (leicht links) darauf zusteuern (Waldschänke als Einkehrmöglichkeit mit leider unzuverlässigen Öffnungszeiten) oder Sie fahren geradeaus weiter vorbei an einer Gartensiedlung und nutzen den Weg am Waldrand soweit wie möglich, um dann den rechten (!) Waldzipfel des Zirkelsteins über freies Feld anzusteuern. Eine rechtsseitige Umfahrung des Zirkelsteins ist weniger steil und daher besser zu fahren. Linksseitig ist der Weg etwas weiter und mit einer kurzen steilen Abfahrt gespickt. Unterhalb des nächsten Waldgürtels fahren Sie zunächst parallel zu diesem ab und orientieren sich dann leicht nach rechts übers Feld. Nach gut 500 Metern treffen Sie auf die Bahnhofsstraße. Hier beginnt ein rutschiger, knapp 10 Minuten währender Fußmarsch hinab zum Bahnhof, womit die Hohe Tour endet.

Zu den Zeitangaben

5–10 Stunden ist ein bewusst unscharf angegebener Richtwert, da zu viele Faktoren das Vorankommen beeinflussen. Bis zur Komáří vížka und meist gar bis Adolfov können Sie mit einer (maschinellen) Loipe rechnen. Da bis Adolfov erst das „leichteste“ Drittel absolviert ist, sollten Sie bis hierher nicht mehr als drei Stunden benötigt haben. Wenn doch, ist Ein- und abschließende Umkehr eine weise Entscheidung.

Bis Tisá sind es zwar nur noch 15 Kilometer, aber falls nicht schon Vorgänger eine ordentliche Spur getreten haben, können diese sehr hart werden. Zwei Stunden sind hierfür keine schlechte Zeit. Kommen Sie dort deutlich langsamer voran, dann versuchen Sie, bis 17:00 Uhr Tisá zu erreichen – der letzte Bus nach Pirna fährt um diese Zeit: zunächst mit der 452 bis zur Grenze, danach die 216, 218, 219 oder (allerdings erst ab 30. März!) direkt mit der 217.

Die fünf Kilometer ab der Turistická chata bis zum Sněžník können als gespurt angenommen werden – meist sogar maschinell. Vor allem die Umfahrung des Sněžník hängt stark von den Bedingungen ab. Sind Sie gezwungen, die Spur selbst zu treten, kann auch schnell eine Stunde benötigt werden …

Beim „Rest“ ist weniger anzunehmen, dass Sie mit Tiefschnee zu kämpfen haben. Unannehmlichkeiten lauern hier eher durch zu wenig Schnee oder durch einen „fleißigen“ Forst, der die Strecke beräumt/zerstört hat. Für eine Umkehr ist es ohnehin zu spät. Ab Grenzübertritt benötigen Sie zu Fuß gut 1,5 Stunden – bei ausreichend Schnee ist die Abfahrt hingegen in 30 Minuten erledigt.

Meine „Bestzeit“ liegt bei 4:36 Stunden (bis Bahnhofsstraße in Schöna), aber auch ein Abbruch in Adolfov nach Neuschnee und komplettem Spuren ab Zinnwald steht zu Buche …

 

Noch Reserven?

Wie wäre es, etwas weiter westlich zu starten?

Und noch ein Erlebnisbericht von Ski Individuell 2017.

Oder einer Sommervariante?

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