Aus der Sächsischen Zeitung vom 19.02.1972

Am l7. Januar, zwischen 19 und 19.30 Uhr, kam es an der Südwand des Papststeines zu einem größeren Felssturz. Eine etwa 15 m hohe, 12 m breite und 8 m tiefe Wand (etwa 1500 Kubikmeter) stürzte ab und zerstörte auf einer 50 bis 80 m breiten Fläche die etwa 8Ojährigen Kiefern auf dem unterliegenden Hang. Was mag die Ursache dieses Felssturzes sein?

Am Fuße der Felswand hatte sich eine tiefe Schichthöhle ausgebildet. Die Oberkante der Wand wird von einer 14 bis 20 m breiten Terrasse gebildet. Diese Terrasse ist mit Buchen bewaldet. Oberhalb der Terrasse steilen nochmals 12 bis 15 m hohe, senkrechte bis überhängende stark geklüftete Wände auf. Unmittelbar über dem einspringenden Winkel des Felsabbruches wird die oberste Sandsteinwand von einer breiten Felsspalte aufgegliedert, die an der Basis deutliche wasserfallartige Wirkungen von vorausgegangenen Starkregen zeigt. Unterhöhlung der Wand von unten her, ständige gute Durchfeuchtung und chemische Verwitterung von oben her, Erweiterung der Klüfte durch den Wurzeldruck der Bäume arbeiteten also seit langem an der Vorbereitung des Felssturzes. Der Witterungsverlauf der letzten Wochen und Monate tat dann sein übriges.

Durch kurze, intensive Fröste Ende November und Anfang Dezember konnte die Feuchtigkeit - besonders wirksam werden; Im Dezember und Januar kam es nahezu täglich zu Frostwechsel, so daß die Frostverwitterung recht intensiv werden konnte. Hierzu kommt, daß die Monate Oktober bis Dezember und die erste Januarhälfte durch Windstärken ausgezeichnet waren, die beträchtlich über dem Normalwert lagen. Wer einmal beobachtet hat, mit welcher Wucht bei Sturm die in Gipfelnähe stehenden Bäume der Sächsischen Schweiz angefallen werden, der kann ermessen, mit welcher Kraft der Wurzeldruck in den Klüften des Gesteins arbeitet.

Am gleichen Ort sind noch zwei kleine Nachstürze (Bäume, deren Wurzelteller bereits über die Abbruchkante hinaushängen und überhängende stark geklüftete Felsmassen am oberen Rand des Abbruches) in nächster Zukunft zu erwarten. Noch viele Jahre werden die frischen Farben der Abbruchstelle und die großen Blöcke am Fußhang von diesem interessanten Naturereignis künden.

Dr. Gottfried Andreas

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